"Die Erde ist die Wiege der Menschheit, aber welches Kind bleibt schon ewig in seiner Wiege?" Konstantin Ziolkowski, Datalinks "[...]Im Verlauf der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts erfolgte eine rasante Entwicklung der Menschheit, die in ihrem Umfang der industriellen Revolution gleichkam. Diese "bionische Revolution", benannt nach der Wissenschaft der Umsetzung natürlicher Strukturen, Wurde durch Fortschritte in der Stammzellforschung ermöglicht. Neben der erwarteten medizinischen Anwendung zur Regeneration geschädigter Zellen erlaubten die neuen Erkenntnisse viele andere Anwendungsbereiche, von hocheffizienten halbbiologischen Computern bis hin zum "genetic engineering", der Modifikation des menschlichen Erbguts. Zwar existierte gegen die neuen Technologien, gerade gegen letztgenannte, ein erheblicher Widerstand vonseiten der Bevölkerung, der jedoch in den 2080ern stark abflaute. Denn zu dieser Zeit entwickelten amerikanische Forscher unter H.C.Sanders eine Möglichkeit, mittels "genetic engineering" das HIV-Virus efektiv zu bekämpfen. Dieses hatte zu der Zeit 70% der Weltweiten bevölkerung befallen, Wobei fast alle Unbetroffenen in den Hochindustriestaaten lebten. Daher folgte schon am 4. April 2087 die UNO-Resolution 226b555a ("Genreform"), in der alle Staaten dazu verpflichtet wurden, ihre gesamte Bevölkerung mit der HIV-Resistenz auszustatten. Für ärmere Nationen wurden Mittel aus den Internationalen Kassen entnommen. Schon fünf Jahre später waren in den meisten Ländern nur noch vereinzelt Erkrankte zu finden. Die negative Folge dieser Entwicklung war, dass die Sterblichkeit gerade in den Entwicklungsländern stark herabgesetzt wurde, wodurch es in diesen Regionen zu einem Bevölkerungsboom kommen sollte.[...]" George Huxley, "Geschichte des 21. Jahrhunderts", Einführung , Datalinks "[...] Vor kurzem, am 8. Juni 2122, überschritt die Erdbevölkerung die Grenze von 25 Milliarden Menschen. Wie lange soll es so witergehen? Schon jetzt ist fast die gesamte theoretisch nutzbare Ackerfläche bewirtschaftet und dennoch sterben viele Menschen in den ärmeren Ländern an Mangelernährung. Sogar in den Hochindustriestaaten, einst Länder des Überflusses, ist das Nahrungsangebot zunehmend rationiert. Die Welt kann kaum 25 Milliarden Menschen ernähren, wie soll dann die doppelte Menge leben können? Die einzige Chance, die Menschheit von der Gefahr einer Hungersnot zu befreien, ist die weltweite Einführung strikter Geburtenkontrollen. Es sollten maximal 20 Millionen Menschen auf diesem Planeten leben. Doch wie reagieren die Politiker auf eine solche Forderung? Sie verweigern vehement notwendige Handlungen und lassen sogar die Sprecher der Vernunft verfolgen. Zu unserem Leidwesen wurde durch die Genreform und alle weiteren "Verbesserungen" des Menschen ein falsches Menschenbild erschaffen: Inzwischen glauben die meisten an die völlige Überlegenheit der menschlichen Art über alles andere, die es erlaubt, jede Ressource unserer Welt auszubeuten. Dieses Bild ist falsch. Der Mensch steht auch heute nicht über der Natur und darf sie deshalb nicht in den Ruin treiben. Wenn gewisse Demagogen verkünden, dass jeder Mensch, der leben könnte, auch die Chance dazu haben muss, so muss er auch einsehen, dass dann jeder lebende Mensch die Gelegenheit zum Verhungern hat.[...] Darum fordern wir eine international genormte Geburtenregelung, die das Rasante Wachstum stoppen soll und die Bevölkerung der Erde in Zukunft auf maximal 25 Milliarden Menschen limitiert." Unbekannter Verfasser, Flugblatt, Januar 2123, Datalinks "[...] In Anbetracht der Tatsache, dass die Erde ihre Bevölkerung nicht mehr ernähren kann und unter Beachtung des Rechts auf Leben scheint derzeit nur eine Möglichkeit zu existieren, die ein Leben der gesamten Menschheit in Würde ermöglicht. Diese Möglichkeit besteht in der Ausbreitung der Menschheit in den Weltraum und auf andere Planeten. Wir hoffen darauf, dass sich die einzelnen Staaten dieses Auswegs bewusst weren, bevor einer der zahlreichen Konflikte über Rohstoffquellen eskaliert und ein nuklearer Krieg heraufbeschworen wird. [...] Wir hoffen, dass die gesamte Menschheit ihre Energie darauf verwendet, die Menschheit im Universum zu verbreiten, anstatt sie auszulöschen. Wir geben jedem Staat die Option, mit uns zusammenzuarbeiten." UN-Generalsekretär Abugnai Nogake, Erklärung vom 3. November 2131 , Datalinks "Qualität ist unsere Leidenschaft. Schließlich haben wir die Biosphärenmodule für das UN-Weltraumprogramm entwickelt, bei denen alles perfekt sein musste. Deshalb haben wir etwas Perfektes erschaffen. Der Beweis für unsere Qualität steht zwischen den Sternen." Aus einem Prospekt der Firma BioSystems Corp., Datalinks "[...]Es ist eigentlich unglaublich. Unsere Entwicklung war eigentlich nur eine Kombination von Prinzipien, die alle seit Jahrzehnten bekannt sind: Der Lubignoi-Transpositions-Effekt, die Quantenfelddynamik und die Hyperpositions-Feldtheorie. Es war zwar schwierig, Maschinen zu konstruieren, die all diese Prinzipien in sich vereinen, aber dennoch, unglaublich. Aber Sie wollten wissen, wie das ganze funktioniert. Im Prinzip wird ein Gegenstand durch unsere Maschine in einen fünfdimensionalen Hyperraum versetzt, in dem er sich kurz aufhält, um dann wieder in unseren vierdimensionalen Raum versetzt zu werden. Der Trick bei der Sache ist, dass der Hyperraum nicht fest mit unserem Raum verknüpft ist, sodass man beim Hyperraumsprung an einem beliebigen Zielort auftauchen kann. Das heißt, wenn wir nach, sagen wir mal, Alpha Centauri fliegen wollten, öffnen wir ein Tor an irgendeinen Ort im Hyperraum, um von dort aus direkt nach Alpha Centauri zu springen. Wenn sie aber in die große Magellansche Wolke fliegen wollen, dauert das auch nicht länger.[...]" Ernest Thompson, Ingenieur des UN-Weltraumprogramms, Interview vom 12. Oktober 2139 , Datalinks "Nach mehr als einem Jahrzehnt voller Arbeit und Entbehrungen ist es soweit. Die Raumschiff, die die Menschheit zu den Sternen bringen werden, stehen funktionsbereit an den Rampen, bis sie sich morgen um 11 Uhr in den Himmel erheben werden. Dies wird der Abschluss eines Projekts sein, dessen Erfolg anfangs eher zweifelhaft erschien. Im Jahr 2131 hatte wohl keiner geglaubt, dass die verschiedenen Staaten der Welt ihre Streitigkeiten vergessen und gemeinsam an einem so großen Projekt arbeiten könnten. Doch als im darauffolgenden Jahr durch eine weltweite Mißernte rund 1 Milliarde Menschen verhungerten, begann die Politik nahezu sofort zu reagieren. Durch große Aufwendungen für die Weltraumforschung sind Fortschritte ermöglicht worden, die vor nicht all zu langer Zeit als unmöglich galten. Nun wird die Kolonisationsflotte innerhalb von Sekunden im System NGC21140908 erscheinen, in dem ein erdähnlicher Planet existiert.[...]" Zeitungsartikel aus " New York Times" vom 27. August 2142, Datalinks "28. August: [...] Ich bin unglaublich nervös, wenn ich daran denke, morgen zum anderen Ende des Universums geschleudert zu werden. Die Techniker sagten, alles wäre sicher, aber ich fühle mich trotzdem unwohl, weil wir die erste Expedition in diese Entfernung sind. Unzählige Raumschiffe aus aller Welt, vollbeladen mit Kolonisten, und sie haben noch nicht einmal eine Sonde dorthin geschickt. Ich weiß ja, dass der Hyperraumsprung sein Ziel besser trifft, wenn eine große Masse gesendet wird und eine Sonde daher wohl in einer Sonne gelandet wäre, aber wesentlich besser fühle ich mich dadurch nicht. Wir werden sehen, was der nächste Tag bringt und ich hoffe, einen Eintrag für den 29. August machen zu können. "29. August: Liebes Tagebuch, ich bin so froh, dass wir es geschafft haben. Am Morgen, gegen 8 Uhr, hatten sich endlich auch die asiatischen Raumschiffe an den Verbund gekoppelt. Dann saßen wir alle bis 9 Uhr in unseren Nischen und haben gewartet. Einige haben gebetet, andere Lieder aus ihrer Kindheit gesungen. Ich habe mich mit einigen anderen über die schönsten Momente unseres Lebens unterhalten. Ich glaube, keiner von uns dachte, dass wir überleben. Um 9 Uhr ertönte ein Warnsignal, wir schnallten uns fest und hörten verkrampft auf die Geräusche des Schiffs. Es begann als ein Brummen, das zum Dröhnen heranwuchs. Aus diesem wuchs ein ohrenbetäubendes Kreischen. Dieser Lärm endete mit einem Knall, bei dem wir alle sicher sind, dass wir ihn nicht gehört, sondern nur gefühlt haben. An die Fahrt im eigentlichen Hyperraum kann ich mich kaum erinnern, zumal jeder hier etwas anderes wahrgenommen zu haben scheint. Das Eintauchen in den Normalraum fühlte sich an, als würde man von einer Psychedelic-Disco direkt in einen einsamen Bergsee geworfen werden. Es dauerte eine Weile, bis sich unsere Sinne von dem Sprung erholten. Seitdem beratschlagen die Kommandanten der Flotte über das weitere Vorgehen. Anscheinend sind wir vom Kurs abgewichen, aber mithilfe des Bordcomputernetzwerks und der extrapolierten Sternenkarten für diesen Sektor werden wir sicher herausfinden, wo wir sind. Jetzt wo wir den Sprung überstanden haben, werden wir sicher unser Ziel finden. 30. August: Liebes Tagebuch, an Bord herrscht Ratlosigkeit. Die Computer haben die Daten genau überprüft, aber sie haben nicht herausfinden können, wo wir sind. Da die Rechner alle bekannten Sterne in ihrem Speicher haben, bedeutet das, dass wir uns an einem unbekannten Ort befinden. Das bedeutet, dass wir nicht wissen, wo wir sind, aber auch nicht zurückkehren können, da uns der Sprunggenerator beim nächsten Mal vielleicht in ein schwarzes Loch schleudert. Die Kommandobrücke hat beschlossen, das nächste Sternensystem anzufliegen, in dem sich laut den Sensoren auch ein erdähnlicher Planet befinden soll. Ich hoffe, dass es wirklich so ist. [...]" Tagebuch des John Varley, Biotechniker des Raumschiffs Unity " [...] ANDREJEW: Ich habe den Planeten im Fokus. PUSCHKIN: Gut, suchen Sie einen geeigneten Landeplatz. Unser Schiff wurde nicht dafür ausgelost, damit wir alle in den Tod stürzen. ANDREJEW: Zu Befehl, Kommandant. [...] ANDREJEW: Ähm, Kommandant, das sollten Sie sich ansehen. PUSCHKIN: Seien Sie ruhig! Ich versuche hier mit den anderen Kommandanten zu sprechen. ANDREJEW: Aber sie solten es sich unbedingt ansehen. PUSCHKIN: Was soll denn so wichtig sein? ANDREJEW: Es sieht aus wie Städte [...]" Audioprotokoll des Raumschiffs Aljoscha "Der erste Kontakt mit einer völlig fremden, weil nichtmenschlichen Kultur verlief nicht wie erwartet. Die Menschliche Delegation bestand aus einer Gruppe von Diplomaten, Biologen und Linguisten, die auf der Erde eine Ausbildung in den verschiedenen Theorien zur Xenokommunikation erhalten hatten. Unter der Annahme, dass die Außerirdischen eine ähnliche Logik verwendeten wie die Menschen, landeten sie mit der Raumfähre auf einem freien Feld in der Nähe der größten Stadt. Erwartungsgemäß traf zuerst eine kleine Gruppe von Wesen ein, die die Delegation beobachtete. Etwas später erschien eine größere Gruppe, die aus Wesen mit zum Teil mehr oder weniger humanoiden Zügen bestand, aber auch undefinierbare Lebensformen enthielt. Als sie in der Nähe der Delegation angekommen war, sprach eines der humanoiden Wesen in eine Apparatur, die daraufhin in bestem Englisch die Delegation begrüßte: >Willkommen, Erdenmenschen. Wir haben Euch schon erwartet<" Andrew Bleech, "Beginn des Weltraumzeitalters", Kapitel 5 "[...]Nachdem wir die Proben und Formeln der Außerirdischen überprüft hatten, wurde uns klar, dass sie sehr wahrscheinlich die Wahrheit sagten. Offenbar handelte es sich bei vielen dieser Wesen um nichts anderes als unsere Nachfahren. Nach ihren Aussagen wurden die Hyperraumreisen durch einen Faktor mitbestimmt, der damals nicht bekannt war. Leider hatte die Unkenntnis dieses Faktors fatale Ergebnisse: Zum einen reiste das Raumschiff nicht nur durch den Raum, sondern auch durch die Zeit. Während für uns ein paar Sekunden vergingen, fand unser Eintritt in das Normaluniversum rund 20000 Jahre später statt. Für die Erde waren die Ergebnisse allerdings noch katastrophaler, denn durch die enorme Kontinuumsverzerrung bildete sich eine Art Wurmloch in den Hyperraum. Man muss sich das so vorstellen, als ob man einen Computer mit einem offenen Netzwerk verbinden würde; Man hat Kontakt zu fast allem. Leider sind mit "fast alles" im kosmischen Sinn vor allem Extremphänomene gemeint: UV-Sonnen, Neutronensterne, schwarze Löcher. Kurzum, die Erde war schon nach kurzer Zeit der Belastung eines undefinierbaren Strahlengemenges ausgesetzt. Die Menschen schafften es irgendwie, zumindest teilweise zu überleben. Die verbliebenen Wissenschaftler sahen als einzigen Ausweg, die Menschen durch experimentelle Genmanipulationen halbwegs strahlungsresistent zu machen. Als es wider Erwarten gelang, durch eine großflächige Umstrukturierung völlig strahlungsresistente Menschenzu erzeugen, wurde rasch die Menscheit und danach die restliche Natur verändert. Offenbar wurden dabei aber einige wichtige Strukturgene in mutagene Formen überführt, wodurch die wenigsten Kinder der nächsten Generation das "normale" Menschliche Aussehen zeigten. Irgendwann gelang es, diese Gene wieder in einen stabilen Zustand zu überführen, doch bis dahin sind aus der Menschheit Dutzende unterschiedlich anmutende Wesen geworden. Irgendwie gelang es dieser Völkerschar, sich zu einer Gesellschaft zusammenzuschließen und sich dem Problem des Hyperraumwurmlochs zuzuwenden. Sie entdeckten viele Dinge, die sie uns nicht mitteilen wollten. Die einzige Ausnahme stellten die Prinzipien des Hyperraumflugs dar. Offensichtlich kann man nur auf zwei Arten "schnell" durch den Hyperraum reisen: Entweder man springt, braucht dafür aber ein spezielles Sprungtor am Start- und Zielpunkt, oder man verwendet die Anwendung der Hyperpositions-Feldtheorie, um den Hyperraum mit dem Normalraum zu überlagern, wodurch man sich immer noch im Normalraum bewegen muss, sich aber schneller als das Licht bewegen kann. Mittels dieser und anderer Technologien erschuf der "homo stellaris" in den folgenden 20000 Jahren ein galaktisches Superimperium, das sich über mehrere Galxienhaufen erstreckt. Die echten außerirdischen Zivilisationen wurden in das System eingegliedert und erschufen den "Galaktischen Rat", einen Pangalaktischen Superstaat. Nur diesen Galaxienhaufen hielt der Rat unbesetzt, da er berechnet hatte, dass homo sapiens sapiens dort eintreffen würde.[...]" Gustave Lacroix, "Erinnerungen aus zwanzigtausend Jahren" "Der Galaktische Rat beschließt hiermit: 1. Die Besatzung der Raumschiffe trägt keine Schuld an den Ereignissen 2. Der Art homo sapiens sapiens wird hiermit der galaktische Sektor GS223884594 als Raum zur Lebensentfaltung zugewiesen. 3. Der Sektor darf von homo sapiens sapiens beliebig genutzt werden 4. Die einzige Ausnahme der Punkte 2 und 3 besteht im Planeten 1:3:5 des genannten Sektors. Dieser Planet ist zentraler Kontrolldistrikt des galaktischen Rates in diesem Sektor. [...] Die genannten Punkte sind gültig, solange sich homo sapiens sapiens an das galaktische Recht hält." HSS-Beschlüsse, Abschlussakte "Was tun wir hier eigentlich? Die Menschen könnten zuerst alle zusammen einen Planeten besiedeln und danach langsam wachsen, und was machen wir? Wir kriegen uns mit ein paar anderen in die Haare, die streiten wieder mit anderen und am Ende fliegt jedes Raumschiff zu einem anderen Planeten, um eine eigene Zivilisation zu gründen. Sind wir denn völlig durchgedreht? Sogar die anderen amerikanischen Schiffe sind weg. Ich kapiers einfach nicht." Kommandoasistentin Sheila Adams, Gespräch in der Kantine des Raumschiffs Unity So zerstreut sich die Menschheit. Wie es weitergeht? Das wissen nur die Sterne...